
Die Technologie des Induktionsschrumpfens für Werkzeuge hat sich in den letzten Jahren insbesondere in der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung, aber auch in anderen Bereichen der Fertigung durchgesetzt. Mit dem Werkzeugvoreinstellgerät MarPreset 1800 ShrinkSet bietet Mahr jetzt eine einzigartige Kombination von Werkzeugvoreinstellgerät und einem automatischen Schrumpfsystem mit direkter Wasserkühlung.
Die Vorteile bei der Verwendung von Schrumpffuttern liegen vor allem in der sehr guten Rundlaufgenauigkeit und den damit verbundenen geringen Unwuchten bei hohen Drehzahlen. Gegenüber dem Polygonal-Spannsystem können mit der Schrumpfung auch größere Werkzeugdurchmesser aufgenommen werden. Die Besonderheit in der Werkzeugschrumpfung liegt darin, dass durch den Wärmeeintrag in das Schrumpffutter das Entspannen erfolgt. Selbst bei exakt abgestimmten Parametern kann nicht verhindert werden, dass sich neben dem Futter auch das zu spannende Werkzeug erwärmt. Ein wichtiges Augenmerk muss daher auf die Abkühlung gelegt werden. Bei einfachen Schrumpfsystemen wird dies durch Luftkühlung erreicht. Bessere Systeme verwenden wasserdurchströmte Kühlkörper, die über die Werkzeugaufnahme gestülpt werden. Diese indirekte Kühlung hat den Nachteil, dass zwar das Futter oberflächlich abgekühlt wird, der Werkzeugschaft und der Kern der Werkzeugaufnahme aber weiterhin eine höhere Temperatur aufweisen. Das wiederum führt zu einer nachträglichen Änderung der Werkzeuglänge, die nicht mehr erfasst wird und somit zu Fehlern während der Fertigung führt. Außerdem macht das heiße Werkzeug die Verwendung von Handschuhen notwendig und birgt die Gefahr von Verbrennungen.
Cool-to-the-Core™-Technologie
Bei dem neuen Werkzeugvoreinstellgerät MarPreset 1800 ShrinkSet von Mahr mit dem integrierten Induktionsschrumpfen wird dieser Effekt des ‚Nachschrumpfens’ durch die direkte Kühlung des Werkzeuges - die Cool-to-the-Core™-Technologie - weitestgehend ausgeschlossen. Bei diesem patentierten Verfahren werden Werkzeugaufnahme und Werkzeug unmittelbar mit einer Kühlflüssigkeit besprüht und mit Druckluft getrocknet. Dadurch wird innerhalb kürzester Zeit selbst der Werkzeugkern auf Raumtemperatur abgekühlt. Dadurch liegt sofort nach dem Abkühlen die richtige Werkzeuglänge vor, die dann optisch kontrolliert werden kann und sich nicht mehr verändert. Das Werkzeug ist sofort nach dem Abkühlvorgang einsatzbereit und kann mit der bloßen Hand aus der Spindel entnommen werden. Es ist kein Temperieren der Werkzeuge notwendig.
Werkzeugvoreinstellgerät MarPreset 1800 ShrinkSet.
Automatisierter Ablauf
Der Ablauf des Schrumpf- und Abkühlprozesses ist denkbar einfach und läuft vollständig automatisiert ab:
Nach der Auswahl des entsprechenden Werkzeuges aus der integrierten Datenbank betätigt der Bediener lediglich den Start-Knopf. Die Induktionsspule fährt automatisch auf die richtige Position und erwärmt das Spannfutter. Nach 5 bis 10 Sekunden wird das Werkzeug eingesetzt. Die richtige Position wird dabei am Livebild überwacht. Ein eingeblendetes Fadenkreuz zeigt die, entsprechend der Längenänderung korrigierte, Sollposition an. Hat das Werkzeug im Halter gefasst, senkt ein weiterer Knopfdruck die gesamte Spindel mit dem gespannten Werkzeug in das Untergestell des MarPreset 1800 ab. Es erfolgt ein direktes Besprühen mit der Kühlflüssigkeit. Danach wird automatisch mit Pressluft das Werkzeug getrocknet. Anschließend wird die Spindel samt Werkzeug wieder mikrometergenau in die Ausgangsposition zurückgefahren. Die erforderlichen Maße können jetzt mit der Software PGC Plus ermittelt und direkt an die Bearbeitungsmaschine gesendet werden. Dadurch, dass das Werkzeug bis zum Kern abgekühlt wurde, kann es dann sofort aus dem Voreinstellgerät genommen und eingesetzt werden. Eine nachträgliche Längenänderung durch weiteres Abkühlen wird nahezu vollständig vermieden. Durch den automatischen Ablauf des Schrumpf- und Abkühlvorganges besteht keine Gefahr für den Bediener, das heiße Futter zu berühren.
Zykluszeit von 3 Minuten
Das Schrumpfsystem ist für Schaftdurchmesser von 6 mm bis 32 mm vorgesehen. Über eine Wechselspule kann der Durchmesserbereich auf 50 mm erweitert werden. Die Schrumpffutter nahezu aller Hersteller werden von diesem System unterstützt. Die Dauer des kompletten Schrumpf- und Abkühlvorganges liegt bei 2 Minuten. Wenn man eine anschließende Messung von Länge und Durchmessermaßen mit berücksichtigt, ergibt sich eine Zykluszeit von Schrumpfen, Abkühlen und Messen von circa 3 Minuten.
Temperatureinflüsse im Griff
Das Grundgerät MarPreset 1800 von Mahr zeichnet sich durch einen stabilen Aufbau aus und ist für den direkten Einsatz in der Fertigungsumgebung konzipiert. Sowohl der Grundkörper als auch die Säule sind aus Gusseisen gefertigt. Kombiniert mit einem konsequent symmetrischen Design werden dadurch Temperatureinflüsse weitestgehend kompensiert. Die ergonomische Schnellverstellung für beide Achsen ermöglicht eine schnelle und einfache Bedienung. Eingesetzt werden ausnahmslos Komponenten von führenden Herstellern. Damit wird eine konstant hohe Qualität gewährleistet. Durch herausklappbare Rollen kann der MarPreset 1800 problemlos und schnell an einen anderen Standort in der Fertigung gefahren werden, alle Elemente sind am Grundkörper montiert. Zwei große 17” Monitore sorgen für eine übersichtliche und deutliche Darstellung des Kamerabildes und der Bediensoftware.
Intuitive Bedienung
Die Bediensoftware PGC Plus ist ein leistungsstarkes und intuitiv zu bedienendes Tool mit großer Funktionalität. Die Bedienoberfläche ist klar und übersichtlich gegliedert. Alle wichtigen Funktionen sind schnell erreichbar und können am Touchscreen-Monitor direkt angewählt werden. Neben einer großen Auswahl von Mess- und Auswertefunktionen gibt es vorbereitete Messroutinen, die beispielsweise bei Messerköpfen oder Gewindefräsern das Programmieren und Messen vereinfachen und beschleunigen. Eine integrierte Datenbank ermöglicht das Verwalten auch komplexerer Werkzeuge. Werkzeuglisten vereinfachen die Erfassung aller Werkzeuge, die für ein zu fertigendes Produkt erforderlich sind. Eine integrierte Benutzerverwaltung und die Erstellung von Etiketten sind weitere Funktionen der PGC Plus Software. Der große Vorteil für den Anwender: Alle genannten Module sind inklusive. Ein weiterer Vorteil liegt in der Kamerakalibrierung und Ausrichtung der Z-Säule. Diese kann vom Bediener selbst durchgeführt und überprüft werden. Kosten für Serviceeinsätze werden dadurch vermieden.
Eine Netwerkanbindung an alle gängigen Bearbeitungszentren ist möglich. Die Anzahl der angebundenen Maschinen ist nicht limitiert. Die Software PGC Plus kann auch auf einem Offline-Arbeitsplatz mit einer weiteren Lizenz genutzt werden. Dadurch können Messungen vorbereitet und Werkzeuge angelegt werden, ohne die Arbeit am Werkzeugvoreinstellgerät zu behindern.
Fazit: Mit dem MarPreset 1800 ShrinkSet bietet Ihnen Mahr eine innovative Komplettlösung zu einem attraktiven Preis. Es ist nicht nur die Kombination von zwei Einzellösungen. Durch die Möglichkeit, die Schrumpfung direkt im Messgerät durchzuführen, entfällt neben dem Umspannen des Werkzeuges auch der Schrumpfarbeitsplatz. Die Arbeitsvorbereitung wird wesentlich beschleunigt und damit Kosten eingespart. Somit hat sich diese Investition in kürzester Zeit amortisiert. Autor: Holger Wiedemann
Bedienoberfläche Schrumpfung
Kontakt: Mahr OKM GmbH, Holger Wiedemann, Telefon: 03641-64 2074, holger.wiedemann@mahr.de